Prozessuale Kaerntner Kaasnudln

(c) Gloggnitzer Michael

anlässlich einer lustigen Gestaltgruppe

Aufforderung zu einer Erfahrung

Für 12 Personen (mittelgroße Gestaltgruppe)

Teig:

½ kg griffiges Mehl
¼ l Wasser
Salz

Fülle:

½ kg (ca. 3 große) Erdäpfel
½ kg bröseliger Topfen
1 Ei
1 Stk. Porree
1EL braune Minze
Salz
Butter zum Übergießen

Kommen Sie in der Küche in Ruhe an, nehmen Sie sich Zeit um voll und ganz da zu sein. Steigen Sie ganz in die Rolle und den Akt des Kochens ein[1].

Zuallererst kochen Sie die Erdäpfel weich. Nehmen Sie die heißen Kartoffeln in die Hand[2] und achten Sie auf folgende Fragen: „wie ist das für mich, was ist das für eine Erfahrung, was macht das mit mir?“ Geben Sie dabei den schmerzhaften Impulsen Laut und atmen Sie kräftig aus. Vergegenwärtigen Sie die intensive Erfahrung. Schälen Sie die heißen Erdäpfel.

Als kreative Lösung spießen Sie die heißen Kartoffeln auf; der Schmerz rückt sogleich in den Hintergrund, was einen distan­zierten Umgang mit der eigentlichen Probestellung er­möglicht.

Entdecken Sie selbständig Lösungen und experimentieren Sie mit den heißen Kartoffeln (jon­glieren Sie die heißen Erdäpfel , tanzen Sie mit ihnen, musizieren Sie mit ihnen etc.), bloß kochen Sie bevor die Gäste kommen und ihnen bei dieser außer­gewöhnlichen Zubereitung beiwohnen!

 

Die gemeine (und noch immer heiße) Kartoffel ermöglicht weitere Zugänge zur Welt, zu verdrängten und verschütteten Anteilen, die nach außen drängen:

Zerquetschen Sie das Objekt, lassen Sie Ihren aggressiven Impulsen freien Lauf; wenn ange­bracht brüllen Sie „Ich hasse Dich“ oder „Nein“ und atmen Sie intensiv. Geben Sie Bell­laute von sich. Rufen Sie laut (aus dem Bauch) heraus: „Haith“.

 

Sollte nach dieser einstimmenden Aggressionsübung noch etwas von der Kartoffel für das Gericht übrig sein, dann soll­ten wir den Prozess weiterverfolgen.

 

Umgehen Sie die Isolierungen der zukünftigen Introjekte und bringen Sie die einzelnen Zutaten miteinander in Kontakt. Streben Sie die Konfluenz der Kaasnudelanteile an.

Lösen Sie auch den Inhalt des Ei’s sanft aus der rigiden Pan­zerung und lassen Sie auch diesen Teil des neuen Ganzen werden[3]!

 

Schneiden Sie eine Zwiebel in kleine Würfel; nutzen Sie die traurige und tränenfördernde Erfahrung und schluchzen Sie laut; bleiben Sie dabei, auch wenn Ihr Underdog nach Tricks wie Taucherbrille oder Wasser in den Mund nehmen strebt und sie eine Memme nennt. Was macht das mit Ihnen, welche Bilder kommen hoch? Sollten Sie intensive Impulse verspüren und noch eine Hand freihaben, dann malen Sie die frei wer­denden Gefühle auf ein Backpapier oder eine Papier­serviette!

Alsdann zerlassen Sie etwas Butter in der Pfanne; geben Sie die kleinwürfelig geschnittene Zwiebel bei. Lassen Sie die beiden Objekte den Konflikt heiß, aber nicht zu heftig austra­gen. Wenn die „kreative Anpassung im Kontakt (Portele in Fuhr)“ gelungen ist, die Zwiebel also sanftgelb angelaufen ist, mengen Sie diese der Fülle bei. Achten Sie beim Rühren auf eine gut Abgrenzung der Zwiebel! Sie sollte nicht püriert werden!

 

Als präventive Maßnahme bei drohender oraler Frigidität[4] (Perls[5], S 123) empfiehlt sich die Beigabe von frischer klein gehackter Petersilie.

Um die Ichgrenzen der einzelnen Zutaten zu verengen (Perls[6], S 155) und zu reduzieren fügen Sie ein wenig Semmelbrösel bei.

Lassen Sie dann die Fülle ein wenig ziehen, um die Prägnanz zu erhöhen!

 

Wenden wir uns nach einer kurzen Phase der inneren Erholung und Reflexion dem Teig zu.

 

Vermengen Sie die angegeben Zutaten und kneten Sie. Sollten Wasser, Ei und Teig von gegen­seitiger Interesselosigkeit in Bezug auf den Kontaktprozess gekennzeichnet sein, dann ge­ben Sie etwas Öl bei, um die Geschmeidigkeit – und alsbald den eigentlichen Kontakt­vollzug – zu erhöhen. Ist der Kontakt der Zutaten vollzogen und ein holistisches Ganzes entstanden, dann steht die Lösung bald bevor, nämlich die Lösung des Teiges vom Nudelbrett! Im Nachkontakt soll dem Teig ca. 15-20 Minuten Ruhe gegönnt werden.

 

Wenden wir uns jetzt der Phase der Neuorientierung zu:

Rollen Sie den Teig mit kontrollierter Aggression aus und legen Sie ein kleines Bällchen der Fülle darauf. Schlagen Sie den Teig sanft drüber und drücken Sie diesen entlang der Fülle an. Schneiden Sie die gefüllte Tasche aus und legen Sie diese auf eine bemehlte Fläche.

 

Kochen Sie Wasser in einem großen Topf auf, geben Sie Salz bei. Die Taschen etwa 5Minuten kochen, abseihen und mit heißer Butter übergossen servieren

Sollte das Introjekt den Organismus belasten, dann gönnen Sie sich ein Stamperl Schnaps (251)

 


[1] Initialphase nach Petzold

[2] Aktionsphase nach Petzold

[3] Integrationsphase nach Petzold

[4] Geschmacklosigkeit

[5] Ich, Hunger und Aggression

[6] ebda