Psychoanalyse

Die Überschrift „Psychoanalyse“ weckt vielleicht den Eindruck, dass man im Nachfolgenden eine abschließende Beschreibung der Psychoanalyse – Was ist das den überhaupt genau?! – nachlesen kann. Dieser Vorstellung möchte ich gleich vorweg entgegentreten, denn das kann und will hier gar nicht erreicht werden. „Was dann kann ich hier nachlesen?“: fragen Sie sich zu Recht! Ich denke, überblicksartige, einführende Gedanken und Ideen zur Psychoanalyse, zur psychoanalytischen Methode, zur psychoanalytischen Behandlung…, nicht mehr und nicht weniger!

Aller Anfang ist bekanntlich schwer, wo fange ich nun an? Die Psychoanalyse ist eine in Österreich nach dem Psychotherapiegesetz 1991 anerkannte Psychotherapiemethode. Aber nicht nur das ist die Psychoanalyse, sie ist auch eine Theorie über die die psychische Entwicklung und das Funktionieren der Psyche des Menschen, eine Behandlungsmethode für seelische Probleme/Erkrankungen und eine Forschungsmethode. Seit ihrer Begründung durch Sigmund Freud hat sich die Psychoanalyse weiterentwickelt und nimmt nicht nur maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Psychotherapie, ihr kommt auch als Kulturtheorie wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung zu. Die Psychoanalyse ist also mehr als eine psychotherapeutische Methode, wahrscheinlich sind deshalb viele ihrer Begriffe ganz einfach in unsere Alltagssprache übergangen und werden ganz selbstredend verwendet: „der Freud´sche Versprecher, Wunscherfüllung, (du) Ödipus(i), Verdrängung, das Unbewusste….“. Als Wissenschaft steht die Psychoanalyse in einem Konfliktfeld zwischen Geistes- und Naturwissenschaft, zwischen Individuum und Kultur, zwischen Tradition und Innovation, zwischen Fantasie und Realität, zwischen Trieb und dessen Abwehr. Das sind freilich Spannungsfelder in denen wir uns auch als Einzelne immer wieder bewegen.

Psychoanalyse ist, ganz vereinfacht gesagt, die „Wissenschaft“ vom Unbewussten und unbewussten Prozessen, die sich in psychischen Phänomenen und psychischen Störungen auf individueller und kollektiver Ebene zeigen können. Sie beschäftigt sich u.a. mit Methoden zur Erfassung, der Behandlung und dem Verstehen von solchen unbewussten psychischen, mitunter auch krankmachenden Vorgängen bzw. zwischenmenschlichen und inneren Konflikten. Ihre Methode und Theorie ist von der Idee geleitet, dass sich hinter der wahrnehmbaren Oberfläche der Phänomene (Symptome, Fehlleistungen, Versprecher, Träume, Phantasien) eine dafür ursächliche unbewusste Bedeutung verbirgt oder versteckt, der auf die Spur gekommen werden soll.

Eine zentrale Annahme ist, dass sich unbewusste, krankheitsursächliche Konflikte (zwischen Wunsch und dessen Abwehr) und unbewusste, irritierende Muster der Beziehungsgestaltung auch in der Beziehung zwischen Therapeut und AnalysantIn zeigen, wieder auftauchen und so im geschützten Rahmen einer psychoanalytischen Behandlung bearbeitet, verstanden und verändert werden können. Die psychoanalytische Behandlung will dabei aktuelle Symptome, Konflikte eben nicht alleine auf belastende oder beschämende Kindheitserlebnisse zurückführen, vielmehr geht es hier um ein komplexes, körperlich und seelisch bedeutsames Beziehungsgeschehen zwischen Analytiker und AnalysantIn, das sich allmählich entwickelt. Die Beziehung zwischen Analytiker und AnalysantIn ist somit eine tragende Stütze im Prozess des Bewusstwerdens und Verstehens unbewusster Prozesse, sodass die Auseinandersetzung mit dem Beziehungsgeschehen im Alltag und in der Therapie ein wesentlicher Bestandteil jeder psychoanalytischen Behandlung ist.

Wesentliche Zutat der analytischen Arbeit ist die Aufforderung des Analytikers an die AnalysantIn frei und ungehemmt zu sprechen (freie Assoziation), über alles zu sprechen, was gerade in den Sinn kommt, auch wenn er/sie es für bedeutungslos hält oder sich seiner Gedanken schämt; Eben frei zu sprechen, ohne sich von inneren Schranken und Zensur behindern zu lassen. Über diesen Weg beschreiten Analytiker und AnalysantIn eine gemeinsame Reise ins „innere Ausland (Freud)“ der AnalysantIn, nähern sich unbewussten und unverstandenen Phänomenen an und versuchen diese zu verstehen und bedeutungsschaffend in die Biographie der AnalysantIn zu integrieren. Diese gemeinsame Reise kann freilich wohltuend und bereichernd, aber auch beschwerlich und anstrengend sein, als Reisender riskiert man immer auch ein Stück des Weges leidend und belastet zu beschreiten. Gesagt sei an dieser Stelle, dass alle diese Wegstücke in der psychoanalytischen Behandlung, getragen von der Beziehung zwischen Analytiker und AnalysantIn, bewältigt werden können.

Die psychoanalytische Technik ist meine „Reise“ausrüstung und Unterstützung zum Verstehen des Unbewussten. Eine Auseinandersetzung mit unbewussten Prozessen erfordert neben einem bestimmten theoretischen Wissen, auch die Grundhaltung, dass ich eben nicht allwissend und allverstehend bin. Gerade deshalb bin ich interessiert, neugierig, wohlwollend, forschend, suchend und aufmerksam für: Jede Äußerung, jede Erfahrung, jeden Traum oder Phantasie meines Gegenübers und stelle mich offen gegenüber dem Unverständlichen, Mehrdeutigen, aber auch konfrontierend gegenüber jenen innerseelischen Kräften, die sich gegen die Erinnerung, Bewusstmachung und Veränderung stemmen. Meine Grundhaltung ist aber auch getragen von einer neutralen Einstellung all diesen Erfahrungen gegenüber, von Abstinenz und gleichschwebender Aufmerksamkeit.

Allgemein kann zwischen einer Psychoanalyse und einer auf psychoanalytischen Erkenntnissen beruhenden psychoanalytischen Psychotherapie unterschieden werden. Aufgrund des Settings einer psychotherapeutischen Behandlung mit 1 bis 2 Sitzungen pro Woche stehen in einer solchen die Bearbeitungen von – unbewusst höchst wirksamen – Konfliktsituationen und daraus resultierenden Symptomen in der Gegenwart im Vordergrund. Ziele einer psychoanalytischen Behandlung sind mitunter Verhaltensänderungen, die Auseinandersetzung mit den eigenen Symptomen und deren Bedeutung sowie die Fortführung der eigenen Entwicklung. Eine Psychoanalyse mit 3 bis 5 Sitzungen pro Woche über mehrere Jahre erlaubt darüber hinaus eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem eigenen Geworden sein, dem eigenen Unbewussten und Auswirkungen desselben. Die Arbeit an selbstanalytischen und selbstreflexiven Fähigkeiten sowie die Entwicklung, das Durcharbeiten und die Auflösung einer Übertragungsneurose und damit einhergehend intrapsychische Autonomie stehen im Mittelpunkt einer Psychoanalyse (vgl. z.B.: Mertens W., Einführung in die psychoanalytische Therapie [1990]).

Es gibt ein großes Spektrum psychoanalytischer Arbeit: Längere und kürzere therapeutische, analytische Prozesse, das kann im Vorhinein freilich nie genau bestimmt werden, allerdings kann an dieser Stelle schon gesagt werden: Zeit ist der Motor jeder Veränderung. Die jeweilige Entscheidung (Dauer, Intensität) erfolgt immer in gemeinsamer Absprache, stets die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten der AnalysantIn berücksichtigend, denn nur die freiwillige Entscheidung für eine solche Auseinandersetzung schafft die notwendige Verbindlichkeit, aber auch das notwendige Vertrauen in die therapeutische Beziehung, die sich allmählich entwickelt. Auch aus diesem Grund benötigen analytische Behandlungen ihre Zeit!

Bei weiterem Interesse empfehle ich z.B.: die Informationsbroschüre (<– Link) des Arbeitskreises für Psychoanalyse Linz/Graz.

–> verfasst von Dr. Georg Heissenberger

Methode „Psychoanalyse“ bei str;chpunkt: Dr. Georg Heissenberger & Mag. Michael Gloggnitzer

 

 

 

 

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