einige Worte möchte ich noch über das Ubw (des Es) hinzufügen. Wenn ich die Sache recht verstehe, so haben die Forschungen auf psychoanalytischem Gebiet bisher dazu geführt, wichtige Teilgebiete des menschlichen Lebens in Religion, Sprache, Kunst, Technik, täglichem Leben, in physiologischem und pathologischem Geschehen vom Ubw abzuleiten.Es besteht aber immer noch, wenigstens scheinbar, ein Gegensatz zwischen Ubw und Bewußtsein, als ob da zwei Kräfte wirksam seien. Man beansprucht scheinbar selbst im psychoanalytischen Kreise noch eine Menge Erscheinungen des Lebens als reine Abkömmlinge des Bewußtseins lediglich eine Äußerungsform des Ubw ist; daß alles, was im Menschenleben geschieht (…), daß alles letzten Endes von Ubw geschaffen wird. Das Bewußtsein ist lediglich ein Werkzeug des Ubw, im wesentlichen wohl ähnlichen Verstän-digungszwecken dienend wie etwa die Sprache oder Gebärde. Oft kommt es mir auch so vor, als ob uns das Ubw mittelst des Bewußtseins nur als Allmachtsgefühl erhalten wolle, und ein sehr lustiges,m allerdings auch grausames Spiel mit uns, das heißt mit sich selber triebe. Es wird  nie gelingen, die Zusammenhänge aufzudecken, aber dem Beobachter gelingt es zuweilen etwas zu sehen, was dem Antlitz des Ubw oder seiner Hand gleicht. […]

Georg Groddeck an Sigmund Freud, Juni 1917