900.000 Oesterreicher psychisch krank

900.000 Österreicher seien psychisch krank, meint ein Artikel in einer österreichischen Zeitschrift.  "strichpunkt – praxis für psychotherapie in graz" kommentiert:

Wie der onlinestandard berichtet zeigt die Zunahme der psychisch erkrankten Menschen in Österreich eine stakre Zunahmen an, wobei mehr als die Hälfte aller Betroffenen älter als 60 Jahre sind.
im Jahr 2009 haben 900.000 ÖsterreicherInnen die Leistungen der Krankenkassen in Bezug auf ein psychsiches Leiden in Anspruch genommen. Ob damit tatsächlich die Zahl der Betroffenen steigt, sei dahingestellt; vielmehr lässt sich wohl auch annehmen, dass das krankheits bzw. salutogenetische Bewusstsein der Menschen gestiegen sein mag, wenn sie adäquate Hilfe in Anspruch nehmen, um immer komlexer werdende Leben zu meistern. Nicht alles ist reine Pathologie; und allein die Begrifflichkeit der Psychopathologie und dessen Anstieg in der Bevölerung wäre einen eigenen Artikel zum Thema Pathologie und Sozialkonstruktivismus wert.

Fast ebenso vielen Menschen sollen Psychopharmaka verschreiben worden sein, wobei die statistischen Zahlen einen Zuwachs ausweisen. Ob die Verschreibung von Psychopharmaka mit einem Abbild der psychischen Gesundheit in der österreichischen Bevölkerung gleichzusetzen ist wage ich zu bezweifeln. Der Artikel gibt leider keine konkrete Auskunft über die Länderverteilung. Erfahrungsgemäß gibt es ein Ost-Westgefälle.

Längere Psychotherapie – u.a. als Mittel der Reflexion und Selbstauseinandersetzung auf personenzentriertem Niveau – kann eine von verschiednen hilfreichen Methode sein, um Gesundheit in seiner biopsychosozialen Breite (vgl. Wyss) zu erhalten; in jedem Fall aber zu fördern.

Die Krankenkassen fürchten den Trend, denn psychische Diagnosen bzw. Frühpensionierungen aufgrund psychischer Erkrankung haben in den letzten Jahren viel stärker zugenommen als körperliche Erkrankungen. Wahrscheinlich ist auch das wohl ein Abbild des gesellschaftlichen Ist-Zustandes.

Den Versicherern lieg auch die Dauer der Krankenstände im Magen wie auch die naturwissenschafltich-kausallogisch ferne Herangehensweise (abgesehen von verhaltenstherapeutischen Maßnahmen) im Magen: die Zahl der wirklich psychisch "Erkrankten" ist mit 2,5% kleiner als die der körperlich Erkrankten. Aber die Dauer des Krankenstandes ist um ein Vielfaches länger. Tja, muss man das sagen: das Seelische lässt sich nicht so einfach reparieren und wiederherstellen, damit es der Wirtschaft weiterhin schnell dienen kann. Der Mensch wird vielleicht doch weniger ausbeutbarer werden… ein Vorausdenken in Bezug auf eine psychische Prophylaxe wäre hilfreich.

In jedem Fall rechnen die Versicherer vor, dass sich die Krankengeldkosten pro Person mit mehr als 1700 Euro niederschlagen – dein physisches Gebrechen dagegen ist mit ca. 700 Euro wesentlich günstiger. Die Frage ist, ob das physische Gebrechen nicht wieder kommen mag oder sich pro Person vielfältig zeigen und wiederholen mag als das des psychischen, wenn die Therapie auch genug Zeit und finanzielle Ressourcen bekam.

Studien zeigen recht klar, dass sich eine ausgiebig psychosoziale Versorgung – z.B. hochfrequente Psychotherapien bzw. Anlaysen – langfristig sehr wohl für die Versicherer und in weiterer Folgen (auch in Nebenfolgen, wie Reduktion von Straftaten, Reduktion physischer Ausfälle etc.) auch für alle am sozialen Gefüge Beteiligten rechnet.

Was in jedem Fall zunehme sei die Zahl der Frühpensionierungen.